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Die Attacke

Die Geschichte der Attacke

Seit Alexander dem Großen war die Attacke neben den brittenen Bogenschützen die hauptsächliche taktische Einsatzform der Kavallerie während der Schlacht. Die Verwendung der Attacke variierte jedoch über die Jahrhunderte. Während seit dem Partherreich um Christi Geburt über das Mittelalter bis ins 14. Jahrhundert die bepanzerten, geschlossen attackierenden schweren Kavallerieformationen mit Lanze das Schlachtfeld dominierten, kamen im Spätmittelalter immer effektivere Infanterietaktiken wie Karrees mit Piken, Verwendung von Langbögen oder von Artillerie zum Einsatz. Dies führte zu einer ersten Krise der Verwendung von Kavallerie. Die Heere im frühen 16. Jahrhundert bestanden in West- und Mitteleuropa deshalb großenteils aus Infanterieformationen, die mit Piken und Arkebusen (später Musketen) bewaffnet waren. Die Erfindung der sog. "Reiter" oder "Reuter" im Deutschland Mitte des 16. Jahrhunderts führte dann wieder zu einer Vermehrung der Schlachtenkavallerie. Die Reuter ritten weniger die Attacke, sondern verwendeten die neue Caracolentaktik (erste Verwendung bei der Schlacht bei Mühlberg 1547). Bei dieser Einsatzform griff die Kavallerie in Wellen die Infanteriekarrees an, wendete kurz vor deren Erreichen, feuerte ein oder zwei Radschloßpistolen ab und galoppierte zum Nachladen zurück. Durch das stetige Feuer sollten die Infanterieformationen zur Erschütterung gebracht werden. Auch beim Kampf Reiter gegen Reiter wurde primär mit der Feuerwaffe gekämpft und das Reiterschwert erst nach Verschuss der Pistolen als Sekundärwaffe verwendet.

Die Attacke erlebte im 17. Jahrhundert eine Renaissance, als 1605 bei Kirchholm (siehe Abbildung links) im heutigen Lettland ein polnisches Heer bestehend hauptsächlich aus mit Lanzen ausgestatteten Flügelhusaren eine dreifach überlegene Infanteriestreitmacht der Schweden durch dynamische Anwendung der Attackentaktik vernichtend schlug. Daraufhin führte der schwedische König Gustav-Adolf die Attacke wieder bei seiner Reiterei ein und verwendete diese sehr erfolgreich im 30jährigen Krieg. Nachgeahmt von allen anderen Militärmächten in Europa wurde die Kavallerie im 17. und 18. Jahrhundert mit der Attacke wieder zur Schlachtentscheidenden Waffe. Allerdings war die Attacke auf den Schlachtfeldern des 17. Jahrhunderts keine sonderlich dynamische Angriffsart. Attackiert wurde großenteils nur im Trab oder auf dem letzten Metern vor dem Feind im Galopp. Dabei wurde vor dem Feind in der Regel eine Salve mit den Feuerwaffen abgegeben, um dann mit der Blankwaffe zu attackieren und das Handgemenge zu suchen. Erst Friedrich der Große ging so weit, seiner Kavallerie in der Schlacht den Einsatz der Feuerwaffen bei der Attacke völlig zu verbieten und das unverzügliche Attackieren mit der blanken Waffe mit großer Wucht zu fordern.

Entscheidend für die Wirksamkeit der Attacke von Kavallerie gegenüber geschlossenen Infanterieformationen war, dass die Reiter durch Lücken in der Infanterieformation stoßen konnten und diese immer weiter aufweiten und somit sprengen konnten. Die Infanterie wiederum versuchte ihre Formation geschlossen zu halten, da Pferde vermeiden, auf lebendes zu treten. Pferde sehen ein geschlossenes Infanteriekarree wie einen unüberwindlichen Zaun an und bleiben davor stehen. Entscheidend ist deshalb der richtige Einsatz der Attacke, wenn sich durch Feuerwirkung Lücken in den Infanteriekarrees ergeben haben. Ein Beispiel hierfür ist die erfolgreichste bekannte Kavallerieattacke der Kriegsgeschichte, als das preußische Dragonerregiment Nr. 5 "Ansbach-Bayreuth" mit 10 Eskadrons in der Schlacht von Hohenfriedberg 1745 gegen Österreich innerhalb von 20 Minuten fünf Geschütze und 67 Feldzeichen erbeutete und 2500 Gefangene machte.

Friedrich der Große ging man sogar dazu über, die Kavallerie taktisch mit berittener Artillerie zu kombinieren. Diese hochbewegliche Artillerie hatte die Aufgabe, Lücken in die Infanterieformationen zu schießen, in welche dann die Kavallerieeskadrons stoßen sollten. Auch während dieser Zeit behielt die Reiterei mit der Attacke ihre Schlachtenentscheidende Wirkung.

Erst die Entwicklung von weiterreichenden Infanterie- und Artilleriewaffen im Laufe des 19. Jahrhunderts brachten dann eine erneute Wende. Die geschlossene Attacke in der Schlacht gegen Infanterie oder Artillerie wurde immer riskanter und verlustreicher. Dennoch gab es auch in den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts noch Schlachtenentscheidende Attacken. Beispiele hierfür sind die Attacken der polnisch-österreichen Ulanen in der Schlacht von Custozza 1866 oder der preußischen Kavalleriebrigade Bredow bei Vionville 1870.

Die "positiven" Erfahrungen aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 bewogen die Armeen in Europa, ihre Kavallerieregimenter weiterhin die Attacke üben zu lassen. Der Erste Weltkrieg zeigte dann jedoch schnell, dass die Feuerwirkung auf dem Schlachtfeld so vernichtend geworden war, dass die geschlossene Attacke in der Regel nicht mehr effektiv war. Nichtsdestotrotz gab es auch im Ersten Weltkrieg noch erfolgreiche Attacken, wenn das Überraschungsmoment günstig war. So überritt die bayerische Ulanenbrigade (1. und 2. bayerisches Ulanenregiment) 1914 französische Infanterie und Artillerie bei Lagarde (siehe folgende Abbildung) und die australische 4. Light Horse Brigade und die britischen 5. Mounted Brigade nahmen das türkisch verteidigte Beerscheba im Jahr 1917 in einer Attacke. Jedoch hieß es für die Kavallerieregimenter ab 1914 in der Regel immer mehr "Absitzen zum Angriff", da der infanteristische Einsatz beim Gefecht effektiver und weniger verlustreich war.

Auch im Zweiten Weltkrieg gab es noch erfolgreiche Attacken kleinerer kavalleristischer Formationen vor allem an der Ostfront. Die vollständige Motorisierung der Armeen beendete aber dann endgültig dieses Kapitel der Kriegsgeschichte.

 

Durchführung der Attacke (nach D.V. 367 - Exerzierreglement der Kavallerie von 1909)

Die Attacke wurde eskadronsweise geritten, d.h. auch wenn ein Regiment oder eine Brigade eine Attacke ritt, wurde mit Eskadronen als kleinste geschlossene Führungseinheiten geritten. Die Eskadron ritt die Attacke in Linie, d.h. mit 2 Gliedern und den 4 Zügen nebeneinander. Bei der Attacke gegen Kavallerie wurde Bügel an Bügel geritten. Die Zugführer ritten vor ihren Zügen, der Eskadronschef mit Trompeter 30 Schritt vor der Eskadron.

In der Regel erfolgte der Vormarsch zum Gefecht in Kolonnen (z.B. Zugkolonnen), da diese im Gelände einfacher zu führen sind. Zur Linie wurde erst dann aufmarschiert, wenn die Richtung, in der die Attacke geritten werden sollte, feststand.

Um Atem für den Einbruch zu sparen, blieb die Eskadron möglichst lange im Trabe, ging aber so zeitig in Galopp über, dass der volle lauf die nötige Stoßkraft erhält. Während des Vorgehens zur Attacke nahm der Eskadronschef den Säbel auf. War die Attackenrichtung endgültig gewonnen, so kommandierte er: "Zur Attacke! Lanzen gefällt!". Zum Einbruch im vollen Lauf erfolgt das Kommando "Marsch! Marsch!". Alle Trompeter bliesen nach, alle Reiter riefen kräftig "Hurra!".

Nach erfolgreichem Einbruch erfolgt die Verfolgung auf "Auseinander - Marsch! Marsch!". Dabei wird die Formation verlassen. Die Verfolgung wird auf das Signal "Sammeln!" beendet.

Gegen Infanterie und Artillerie konnte auch befohlen werden, in eingliedriger Linie und größerem Zwischenraum zu attackieren, um ein weniger dichtes Ziel für das Abwehrfeuer zu bieten.

Nachfolgende Abbildung zeigt eine Manöverattacke zwischen zwei preussischen Eskadrons (Kürassiere und Husaren). Es ist der Momenten beim Abbrechen der Attacke vor dem Einbruch der beiden Reiterformationen. Deutlich sieht man die Zug- und Eskadronsführer vor der Eskadron reiten.


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Zuletzt geändert: Sonntag, 14 März 2010