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Geschichte der Ulanen

Oberst Rodakowski attackiert an der Spitze seiner polnisch-österreichischen Trani-Ulanen in der Schlacht bei Custozza 1866

Die Ulanen waren in Deutschland im 19. Jahrhundert die jüngste Kavalleriegattung und wurden nach 1800 in großer Regimenterzahl aufgestellt. Sie zählte zusammen mit den Kürassieren zur schweren Kavallerie, während Dragoner und Husaren die leichte Kavallerie bildeten. Kürassiere, Dragoner und Husaren waren schon im 17. Jahrhundert als Kavalleriegattungen in Deutschland gebräuchlich.

Die Lanze hatte jedoch in der Geschichte der Kavallerie eine lange Historie. Als vermutlich Erste in der Antike verwendeten die Parther im Nahen Osten schwer gepanzerte Lanzenreiter (die sog. Kataphrakten) als schlachtenentscheidende Waffe und fügten den Römern vernichtende Niederlagen bei. Der gepanzerte Lanzenreiter prägte dann für 1500 Jahre bis zum Ende des Mittelalters das Erscheinungsbild der europäischen Kavallerie. Der Ritter im Mittelalter wird nicht von ungefährt mit der Lanze assoziiert.

Mit dem Ende der Ritterkontingente verschwanden aus den westeuropäischen Heeren bis Ende des 16. Jahrhunderts auch immer mehr die Lanzenreiter. Man kämpfe nun vornehmlich mit Reiterpistolen und Archebusen zu Pferd. Nur in Osteuropa hielten sich Kavalleriegattungen, welche mit der Lanze ausgestattet waren. Beispiele sind die schwer gepanzerten polnischen Husaren des 17. Jahrhundert.

Mit leichten Lanzen ausgestattete Reiterverbände der Krimtartaren, Kosaken und Türken waren dann wohl auch Vorläufer der Ulanen. "Oghlan" bezeichnet im tatarischen einen Knaben oder Knappen. Polen-Litauen, ständig verstrickt in Grenzkriege mit leichten Reiterheeren seiner krimtatarischen und türkischen Nachbarn, erkannt schnell die Nützlichkeit von Reitern mit leichten Lanzen. Aus "Oghlan" wurde im polnischen "Ulan".

Ulan der preußischen Natzmer-Husaren 1741

Preußischer Bosniak um 1750

Die ersten modernen Lanzenreiter wurden in Deutschland dann in der sächsischen Armee aufgestellt. Der Kurfürst von Sachsen war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zugleich König von Polen, wodurch polnische Ulanenkorps für sächsische Dienste angeworben wurden.

Vom sächsichen Beispiel inspiriert erhielt in Preußen am 19. Dezember 1740 Generalmajor von Geßler den Auftrag, in Polen leichte Eskadrons anzuwerben. Die "Walachen" oder "Tataren" genannten Reiter führten lange Lanzen. Am 23. Juli 1741 verlieh Friedrich der Große das Regiment als "Regiment Hulanen" dem Oberst von Natzmer. Ein erster Kriegseinsatz im Ersten Schlesischen Krieg verlief gegen ungarisch Husaren unglücklich. Zu den Lanzen fehlte anscheinend Übung und Vertrauen. Das Regiment legte darauf die Lanzen ab und wurde zum regulären Husaren-Regiment Nr. 4.

Der nächste Versuch mit Lanzenreitern war das Bosniakenregiment der Preußischen Armee (9-. Husarenregiment). Als im Sommer 1745 mohammedanische Bosniaken als Teil eines polnisch-sächsischen Ulanenregiments desertierten und in preußische Dienste traten, war dies der Kern des späteren Bosniakenregiments. Die Bosniaken trugen pittoreske Uniformen und führten als einzige preußische Reiter eine leichte Lanze. Sie bewährten sich während des Siebenjährigen Krieges vor allem gegen die auch mit Lanzen ausgestatteten russischen Kosaken hervorragend. 1800 wurden die Bosniaken in Towarzysz-Regiment unbenannt, in dem vor allem polnische Landadelige dienten. Nach der Katastrophe von 1806 bildete es den Kern der ersten preußischen Ulanenregimenter, die nun neben den anderen Kavalleriegattungen verstärkt aufgestellt wurden.

Der Vorteil der Ulanen war die lange Reichweite der leichten Lanze im Vergleich zum Säbel oder Pallasch der anderen Kavalleriegattungen. Sie erforderte jedoch eine erheblich umfangreichere Ausbildung und besonderes Geschick. Während der Napoleonischen Kriege bewährten sich polnische Ulanenregimenter in französischen Diensten, wodurch Ulanen in Europas Armeen im populärer wurden. Fast alle Staaten in Europa stellten nun Ulanenregimenter auf.

Auch in den deutschen Kontingenten etablierten sich die Ulanen als neue Kavalleriegattung. Charakteristisch blieb die Tschapka mit Vierkant. In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts trugen die Ulanen ein Kollet mit Schößen, das sehr stark einem Frack glich.

Erst mit der Einführung des Waffenrocks in der Preußischen Armee 1840 wurde die so genannte Ulanka für die Ulanen eingeführt. Die Ulanka war ein in zwei Reihen geknöpfter Waffenrock.

Bayerische Ulanen (1. Ulanenregiment) und Chevaulegers um 1885 (kurz vor Einführung der Pickelhaube in der Bayr. Armee)

Blieben die Ulanen zunächst die einzigen Lanzenreiter in den Kontingenten der deutschen Armeen des 19. Jahrhunderts, so wurden 1890 alle deutschen Kavallerieregimenter mit der Stahlrohrlanze ausgerüstet, die dann auch noch bis Mitte der 20er Jahr des 20. Jahrhunderts in den Reiterregimentern der Reichswehr im Gebrauch war.

In Polen hießen alle Kavallerieregimenter nach der Wiedergründung des Staats 1918 Ulanenregimenter. Sie waren bis zum 2. Weltkrieg mit der Lanze ausgerüstet. Dass polnische Ulanen im 2. Weltkrieg deutsche Panzer mit der blanken Waffe angegriffen hätten, gehört jedoch ins Reich der Märchen. Bei dem vielfach kolportierten und missinterpretierten Bericht, handelt es sich um zufälliges Begegnungsgefecht, bei dem polnische Kavallerie keine Panzer attackiert hat.


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Zuletzt geändert: Sonntag, 14 März 2010