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Dönhoff Trail 2005 (Ritt durch Masuren)

Der Reitverein Günzburg auf den Spuren der 2002 verstorbenen ehemaligen Herausgeberin der „Zeit“ Marion Gräfin Dönhoff.

Im Herbst 1941 unternahm Marion Gräfin Dönhoff mit ihrer Cousine Sissi Lehndorff einen legendären Ritt durch das südliche Masuren, den sie in einem Tagebuch festhielt und später unter dem Titel „Ritt durch Masuren“ veröffentlichte. Rund 300 km weit sind die beiden „voller Erwartung“ durch das stille Land geritten „mit jener Gewissheit, mit der man das Wunder erwartet“. Der Ritt führte durch die ausgedehnten Forsten Südmasurens von Allenstein nach Osten und dann entlang der Großen Masurischen Seen nach Norden mit dem Stammsitz der Lehndorffs Schloss Steinort als Ziel. Die beiden Damen vergessen abseits der Zivilisation in dem ursprünglichen und verwunschenen Land ihren Alltag, während sie auf dem Rücken ihrer Pferde durch die Landschaft traben. Dennoch ritten die Sorgen wegen des im Osten tobenden 2. Weltkriegs mit und brachten bisweilen böse Vorahnungen.

Im August 2005 hatte sich nun der Reitverein Günzburg vorgenommen, diese Abenteuer der beiden Damen in Masuren nachzureiten. Mit dem Nachtzug ging’s für die Reisegruppe von 12 Personen über Berlin und Posen nach Alleinstein. Geplant war, sich soweit möglich, genau an die historische Reitroute zu halten, allerdings statt 5 Tagen 9 Tage für den Ritt einzuplanen und damit der Situation Rechnung zu tragen, dass man heutzutage als Reitersmann nicht mehr die Zeit im Sattel sitzt, wie damals, als das Pferd noch wichtiges Fortbewegungsmittel war.
Auf polnischen Trakehnern und Warmblütern, Halbblütern und Huzulen-Ponies für die drei Kinder tauchte die Reitgruppe südlich Allenstein in die endlosen Forsten Südmasurens mit seinen verschwiegenen Seen ein. Den traumhaften Lansker See nach Süden und dann immer nach Osten durch ausgedehnte, romantische Fichten- und Mischwälder, nur durch wenig offenes Wiesengelände unterbrochen, wird in drei Tagen mit jeweils 5 bis 7 Stunden im Sattel annähernd die Tagesleistungen des Ritts von 1941 erbracht. Die ehemaligen Forstämter an denen die Damen damals Station machten, existierten immer noch und wurden als Hotels, Privathäuser oder Förstereien genutzt. Einzig das Forstamt Friedrichsfelde war verfallen und es stand nur mehr ein Schuppen des alten Anwesens.
 Die Pferde waren sehr ausdauernd und erlaubten auf den Sand- und Graswegen lange Trab- und Galopp-Strecken. Die masurischen Dörfer mit ihren vielen Holzhäusern machten einen verschlafenen Eindruck, als wäre die Zeit seit 1941 dort stehen geblieben. Die zahlreichen moorigen Bäche stellten eine nicht zu unterschätzende Geländeschwierigkeit dar. Einmal blieb ein Pferd beim Überschreiten eines solchen im Morast stecken. Alle Bemühungen, aus eigener Kraft herauszukommen, waren vergebens. Erst als zufällig ein Bauer mit seinem kleinen Traktor vorbeikam, konnte das Pferd mit seiner Hilfe und den zusammengeknoteten Führstricken befreit werden.
Über das fast geschlossene Waldgebiet der Johannisburger Heide ging es in den nächsten drei Tagen vorbei an  lang gezogenen, türkisgrünen Seen bis zur Spitze einer Landzunge zum größten masurischen See, dem Spriding. Hier werden in einem Reservat Rückzüchtungen des ausgestorbenen europäischen Wildpferdes gehalten. Auf dem Ritt konnte man allerdings nur Spuren der etwa 100 Tiere großen Herde im Sandboden sehen. Ein besonderes Erlebnis war das Übersetzen der Pferde über den Beldansee mit einer kleinen Fähre, wie sie schon im Tagebuch der Gräfin Dönhoff beschrieben ist. Die Pferde blieben eng aneinandergeschmiegt völlig ruhig auf dem laut knatternden, wackeligen Gefährt. In Nikolaiken am Sprindingsee wurde im Hotel „Masur“ übernachtet, das im Jahre 1888 erbaut wurde und damals die touristische Nutzung Masurens einläutete.
In Nikolaiken verließ die Reisegruppe die großen Waldgebiete Südmasurens  und weiter  ging es in immer offeneres Gelände mit Wiesen und Feldern. Entlang des Spirdingsees wurde weiter nach Osten geritten. In der mittäglichen Sonne glänzte der See blau und hatte eine Brandung fast wie am Meer. Mehrmals demonstrierten  die Pferde beim Herunter- und Hochklettern der Steilufer ihre sagenhafte Geländegängigkeit. Die Gutshäuser der im Reisebericht von 1941 erwähnten Landgüter existieren sämtlich nicht mehr. Es stehen nur mehr Wirtschaftsgebäude. Dann gings im langen Galopp über Sandwegen im Wald entlang der alten Frontlinie aus dem 1. Weltkrieg von 1914/15. Noch heute kann man im Wald die langen Schützengräben der damaligen Kämpfe zwischen Deutschen und Russen finden. Auch gesprengte Bunker aus dem 2. Weltkrieg, die nun öfter während des Ritts begegneten, zeugen von der hohen strategischen Bedeutung des großen Seengebiets in Masuren.
Die Landschaft wurde nun offener und welliger und obwohl stärker landwirtschaftlich genutzt, fanden sich doch viele Brachflächen und auch Dörfer, die vollständig verlassen waren. Den Reitern wars Recht, da hier wenig genutzte Graswege übers Land führten. Eine besondere Attraktion war das Schwimmen mit den Pferden im See. Nur mit Halfter ohne Sattel und Trense gings ins Wasser. Wichtig war, bei Erreichen des tiefen Wassers, sofort vom Rücken des Pferds zu gleiten und sich nur mehr an der Mähne zu halten, damit das Pferd ungehindert schwimmen konnte. Fasste das Pferd wieder Grund, musste man rechtzeitig wieder auf seinem Rücken sitzen.
Bei einem starken Regensturm am letzten Tag, der den großen Dargainen-See wie ein Meer aufwühlte, wurde völlig durchnässt das Ziel der Reise Schloss Steinort erreicht, nachdem noch einmal 25 km in 3 Stunden vornehmlich im Trab zurückgelegt wurde. Steinort wurde im letzten Krieg nicht zerstört, verfällt aber immer mehr, da sich seit 30 Jahren kein Nutzer findet.
Überbeladen mit Erlebnissen und Eindrücken der herrlichen Masurischen Landschaft trat die Reisegruppe am nächsten Tag die Rückreise an.

 

Kurze Rast

Am Schobensee

Durch die Johannisburger Heide

Mit der Fähre über den Beldansee

Ordnung muß sein

Übernachtung im Hotel Masur in Nikolaiken

Steilhang

Tränken am größen der masurischen Seen, dem Spirding

Blick über Land

Abendrast

Weiter geht es nach Norden

An einem Bunker aus dem 2. Weltkrieg

Schwimmen mit dem Pferd

Am Ziel, Schloß Steinort

 


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Zuletzt geändert: Sonntag, 14 März 2010