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Nützliche Tips aus alter Zeit

Hier ist eine Aufstellung von nützlichen Tips aus alten Reiterzeiten, welche heutzutage schon fast vergessen sind, auf die wir jedoch durch die Beschäftigung mit der Reiterei des 19. Jahrhunderts gestoßen sind.

Winterrehfelle als Sattelunterlegdecke

Schon in uralten Zeiten wurden Winterrehfelle als Sattelunterlagen genutzt, und die Kavallerie verwendete sie noch im 19. Jahrhundert. Ihr Vorteil ist eine starke Schonung von Pferderücken und Pferdefell (besonders im Winter) und der geringe Aufwand für die Pflege. Wer zu faul ist, herkömmliche Satteldecken zu waschen, sollte es mit einem Winterrehfell versuchen. Das Fell ist leichter als eine normale Satteldecke, muss nie gewechselt werden, muss nur ab und zu ausgeklopft werden und hält bei täglichem Reiten 9 - 12 Monate. Es wird das Winterfell des Rehs genutzt, da es dichter und länger als das Sommerfell ist. Über das Internet oder eBay kann man für ca. 50 Euro ein großes Winterrehfell bekommen. Dieses einfach auf Schabrackengröße oder in Form des Sattels zuschneiden, schon ist die Sattelunterlage fertig. Das Rehfell wird mit den Haaren auf den Pferderücken gelegt und zwar so, dass Rehhaare und Pferdehaare in dieselbe Richtung zeigen (d.h. Rehhintern ist bei Pferdehintern). Dadurch kann das Rehfell auf dem Pferderücken nicht verrutschen. Schlaufen für die Befestigung des Rehfells am Sattel sind nicht notwendig, da die Lederseite des Fells auf dem Leder des Sattelunterteils bombenfest sitzt. Mit einem Rehfell verrutscht ein Sattel auf dem Pferderücken kaum.

 

Woilach als Sattelunterlegdecke

Der Woilach ist die traditionelle Sattelunterlage für den Armeesattel. Er ist eine 234 cm lange und 200 cm breite Decke aus ungebleichtem, braunem oder grauem Wollkörper von etwa 3400 bis 3500 g Gewicht. Er wird sechsfach oder neunfach gefaltet unter den Sattel gelegt. Er hat eine unerreichte Saugfähigkeit für den Pferdeschweiß und trocknet schnell dadurch, dass er auseinandergefaltet aufgehängt werden kann. Er kann als Pferdedecke verwendet werden und kann auch dem Reiter als Schlafdecke dienen. Als Schlafdecke hat er auch die Eigenschaft, dass der Pferdeschweiß Flöhe vertreibt. Dies ist vielleicht heute nicht mehr ganz so notwendig, zeigt aber seine universelle Einsatzfähigkeit.
Woilache aus französischen oder schweizerischen Armeebeständen können auch heute noch übers Internet bezogen werden.

 

Putzen des Pferdes

Darüber wie das Pferd richtig zu putzen ist, herrschen heutzutage die unterschiedlichsten Auffassungen. Hier eine Auszug aus der Regimentschronik der Königsulanen aus Ansbach von Friedrich Münch, welcher die Gepflogenheiten bei der Bayerischen Kavallerie vor dem Ersten Weltkrieg beschreibt:
Jeder Ulan hatte einen Putzsack, in welchem er folgende Utensilien für die Pferdepflege verwarte:
Haarkardätsche, Striegel, Reißkardätsche, Wischlappen, Schwamm, Langhaarbürste, Huffettbürste, Huffett, Sattelseife, Putzsand, Putzkalk, Putzlumpen, blauer Schurz.
Das Putzen wird wie folgt beschrieben: "Nachdem die Pferde mit der Reißkardätsche durchgerissen waren, wurden sie mit der Haarkardätsche gebürstet und der Staub immer beim vierten Strich über den Striegel in dessen Fugen gesammelt. Auf der aus Lehmbeschlag bestehenden Stallgasse, die zuvor sauber gekehrt und mit Wasser aufgespritzt worden war, mußten von jeder Seite des Pferdes sechs, also im Ganzen zwölf Striche Staub herausgeputzt werden. An den Strichen auf der Stallgasse konnte leicht festgestellt werden, ob das Pferd gründlich geputzt worden war. Zur Schonung des Haares war es streng verboten, den Striegel zum Putzen zu verwenden. Nach dem Bürsten wurden die Pferde mit einem weichen wollenen Wischlappen gegen und mit dem Haar durch- und damit der letzte Staub herausgerieben. Da die Pferde am Kopf besonders empfindlich sind, wurden zum Putzen des Kopfes die Halfter abgenommen. Auch der Kopf wurde mit dem Wischlappen sauber durchgerieben. Mit dem feuchten Schwamm wurden noch Augen, Nüstern und After sauber ausgewaschen und das Langhaar (Schopf, Mähne und Schweif) mit der Haarkardätsche frisiert und an den Haarwurzeln mit der Langhaarbürste leicht angefeuchtet. Als letztes wurden die Hufe sauber ausgekratzt und außen und innen, besonders aber der Strahl, sorgfältig eingefettet."


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Zuletzt geändert: Sonntag, 14 März 2010